Gnade und Glaube

Als ich mich für diesen Impuls gemeldet habe, war ich erst ein bisschen über mich erschrocken. Wieso habe ich das jetzt getan? Bin doch erst so kurz im Mitarbeiterkreis und eigentlich will ich das doch erstmal beobachten, ob das wirklich passt und nun sowas.

Tja und dann: Jetzt einen Impuls schreiben und euch vortragen, also nee, das ist doch gar nicht so meins. Und jetzt noch etwas aus meinem Leben erzählen, bei dem ich Gnade und Glaube erfahren durfte.

Mir fielen so viele Geschichten ein, die im Nachhinein betrachtet, immer schon Gottes Gnade gezeigt haben, nur mein Glaube war da noch nicht so gewachsen.

Angefangen im Mutterleib. Trotz aller Bemühungen meiner Mutter (bis auf die Engelmacherin) mich nicht zu bekommen, bin ich dennoch hier. Als Baby und Kleinkind immer wieder in verschiedenen Pflegestellen untergebracht, hat meine Mutter trotzdem immer darauf bestanden, dass ich ihre Tochter sei und damit auch eine Adoption in meinem ersten Lebensjahr verhindert.

Gott habe ich, wenn überhaupt, nur als mahnenden und strafenden Gott empfunden. In meiner letzten Pflegestelle, wo ich zehn Jahre ein familiäres Umfeld erleben durfte, hatten meine Pflegeeltern mit der Kirche nichts am Hut. Ich wurde zur Kommunion zugelassen und auch später gefirmt, aber ein Kirchenbesuch war nicht gewünscht. So hatte ich Gott auf einen Sockel gestellt und mich eher immer als auf mich allein gestellt empfunden.

Dies zog sich sicherlich so mein Leben durch. Immer auf der Suche nach dem richtigen Glauben habe ich einige Umwege genommen.

Ich bin 1994 aus der Kirche ausgetreten, weil für mich diese Institution so unglaubwürdig und auch so bigottisch rüberkam, dass ich mich hier nicht geborgen gefühlt habe.

Erstaunlich ist aber, dass Gott uns irgendwie die Suche nach ihm und Jesus eingepflanzt hat und so kam ich Jahre später nach meiner Trennung von meinem ersten Mann mit den Zeugen Jehovas in Kontakt. In dieser schwierigen Phase habe ich mich von deren Theorien begeistern lassen und wurde ziemlich schnell eine überzeugte Jüngerin. In dieser Zeit ist mein Glaube gewachsen, allerdings natürlich der Glaube nach deren Lehre. Das heißt, nur wenn du das und das tust, wirst du im Paradies leben. Dieses Leben unter einer Käseglocke war für mich und vor allem für meine Tochter nach einer Zeit nicht mehr auszuhalten. So habe ich mich wieder entfernt.

Aber ohne eine christliche Gemeinschaft fühlte ich mich auch sehr verloren und so besuchte ich langsam wieder Gottesdienste in der katholischen Kirche. Das war wie ein Heimkommen, die Gebete und Rituale der Liturgie waren mir immer noch vertraut und was ich vergessen hatte, kam schnell wieder ins Gedächtnis. Nach einiger Zeit wollte ich wieder in die katholische Kirche eintreten und hier kann ich auf jeden Fall die Gnade Gottes erkennen. Der damalige Kaplan unserer Pfarrgemeinde war mit Leib und Seele Priester und er war sehr verständnisvoll und einfühlsam bei den Aufnahmegesprächen. Hätte unser damaliger Stadtpfarrer das Gespräch mit mir geführt, weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob ich dann den Eintritt wirklich vollzogen hätte.

Seitdem ist mein Glaube immer wieder ein Stück weit gewachsen, die Kirche besuchte ich allerdings eher unregelmäßig, Gott war für mich so unerreichbar und ich so unvollkommen, dass ich keine Beziehung im Gebet zu ihm aufbauen konnte.

Begleitet hat er mich allerdings sicher, weil er mir immer wieder Menschen an die Seite gegeben hat, die mir auf meinem Weg geholfen haben. Dies habe ich vor allen Dingen beruflich gemerkt, hier kann ich seit meiner Scheidung wirklich nur einen Aufwärtstrend erkennen.

Privat lief es allerdings nicht so gut, hier habe ich im Jahr 2009 eine Fehlentscheidung getroffen. Ich ging eine Beziehung zu einem Mann ein, der damals unser unmittelbarer Nachbar war. Leider stellte sich heraus, dass dieser Mann Alkoholiker ist und wir waren sehr unschönen Situationen ausgesetzt. Wir trauten uns bald nicht mehr aus der Wohnung. Im Sommer diesen Jahres lernte ich meinen jetzigen Mann näher kennen und er meinte, dass meine Tochter und ich auch zu ihm ziehen könnten. Dies schien mir nach drei Monaten Beziehung erstmal sehr abwegig. Aber ich konnte absolut keine bezahlbare Wohnung finden und dann sind wir tatsächlich bei meinem Mann eingezogen. Gottes Gnade hat uns so gesegnet. Wir sind eine richtige Familie geworden.

Mittlerweile sind wir bald neun Jahre verheiratet und ich bin so dankbar, dass er mich in jeder Hinsicht unterstützt. Ein großer persönlicher Umbruch war dann mein Cursillo im Jahr 2016. Hier Gott als barmherzigen Vater kennenzulernen, war unfassbar für mich. Wo doch mein Gottesbild immer so davon geprägt war, dass ich mir seine Anerkennung nur verdienen kann. Diese Zusicherung ist für mich weiterhin so tröstend und motivierend, dass ich versuche, Gottes Licht und Liebe in die Welt zu tragen.

Ich kann mich in meiner Pfarrgemeinde einbringen und auch hier im Cursillo, wie schön!

Menschen, die mich schon viele Jahre kennen, bestätigen mir immer wieder, wie positiv ich mich verändert habe. Von einem etwas leidenden und depressiven Wesen zu einer immer mehr offenen und positiven Person. Herrlich, dass Gott durch mich wirkt. Ich hoffe, dass mein Glaube immer mehr wachsen darf und ich seine Gnade, die er mir täglich erweist, immer erkenne.

Claudia S.

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