„Das Wesentliche ist die Liebe”

Ein Zeitungsartikel von Andrea Beschorner
erschienen im Freisinger Tagblatt vom 31. Okt. 2021
mit freundlicher Genehmigung der Autorin
https://www.merkur.de/lokales/freising/

Ein „kleiner Kurs“ vor 30 Jahren hat die Sicht auf ihren Glauben grundlegend verändert: Maria Westermeier aus Zolling ist Cursillistin – und besinnt sich damit auf das Wesentliche im Christentum.

Zolling. – Maria Westermeier ist fest im christlichen Glauben verwurzelt. In die Kirche ist sie schon als kleines Mädchen gegangen, die christlihen Werte bekommt sie bereits als Kind von ihren Eltern vermittelt, gibt diese an ihre vier Kinder weiter. Zweifel, ob sie in der katholischen Kirche richtig ist, hat die heute 67-Jährige nie. Dennoch bekommt ihr Glaube vor etwa 30 Jahren noch mehr Tiefe. Bei Exerzitien im Schloss Fürstenried lernt Maria Westermeier eine Cursillistin kennen. Cursillo, eine Bewegung innerhalb der katholischen Kirche, bedeutet übersetzt „kleiner Kurs“. Tatsächlich steht zu Beginn eines jeden Anhängers der Cursillistengemeinde ein dreitägiger Glaubenskurs, der von Laien und Priestern gemeinsam gestaltet wird. Die Begeisterung, von der die Frau damals der Zollingerin über ihre Erfahrungen berichtet, macht sie neugierig. Zusammen mit einer ihrer Schwestern und weiteren Frauen aus Zolling besucht Westermeier daraufhin einen solchen Kurs in München. Heute, drei Jahrzehnte später, fühlt sie sich immer noch getragen von den Impulsen, die sie damals mit nach Hause nimmt.

Das Wesentliche weitergeben

Aber was ist es, was sie so tief und nachhaltig beeindruckt hat? Einer der Gründer der Cursillo-Bewegung hat die Intention so zusammengefasst: „Die freudige Weitergabe des Wesentlichen im Christentum.“ Und das sei, so Maria Westermeier, nicht das Sonntagsgebot, nicht der Papst, nicht all die Regeln und Verbote, nicht der Zölibat. „Das Wesentliche im Christentum ist die Liebe – die Liebe Gottes zu den Menschen.“ Der Kurs damals öffnet Maria Westermeier die Augen, wie sie sagt. Sie fühlt sich dem Glauben und Gott so nah, wie nie zuvor. Sie spürt, wie bedingungslos die Liebe Gottes ist und auch, worum es im christlichen Glauben eigentlich geht: „Alle Menschen sind gleich, jeder ist gleich wichtig, jeder Mensch ist richtig.“ Cursillo bedeute auch, damit aufzuhören, Menschen zu bewerten. „Nach dem dreitägigen Kurs stehst du vor der Entscheidung: Nehme ich die Botschaft an – mit allen Konsequenzen? Oder mache ich weiter wie bisher?“ Maria Westermeier gibt sich der neuen, tieferen Form ihres Glaubens hin. „Ich habe mich plötzlich verantwortlicher gefühlt, wollte meinen Glauben tiefer leben und ihn auch weitertragen“, beschreibt sie das Gefühl nach dieser Erfahrung von damals.

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Der Kreis der Mitarbeitenden im Nach-Cursillo
Nicht mehr einfach wegschauen

Eine Konsequenz etwa sei, „dass du nicht mehr so leicht wegschauen kannst, wenn etwas nötig oder nicht in Ordnung ist. Du fühlst dich verantwortlich für die Gemeinschaft.“ Und so sei Cursillo eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Botschaft Jesu. Würde die Institution Kirche die Liebe, um die es im Ursprung des christlichen Glaubens einzig und allein gehe, wie von Gott gewollt leben, würde es all die Probleme nicht geben, mit der die Kirche gerade zu kämpfen hat, ist sich Westermeier sicher. „In der Essenz des Glaubens, den Jesus verkündet hat, ging es ganz viel um Freiheit und nicht um Verbote“, sagt die 67-Jährige. „Wer liebt, der kann seinem Gegenüber nichts Böses antun.“ Und das sei diese allumfassende Freiheit, betont Maria Westermeier und zitiert Augustinus von Hippo: „Liebe und tu, was du willst.“ Cursillo, das könne zum einen eine Vertiefung des Glaubens bedeuten. „Es kann aber auch der Weg zurück zum Glauben für alle sein, die gerade in der aktuellen Lage an ihrer Kirche zweifeln.“

Zweifel, die die Zollingerin sehr gut verstehen kann. „Es fehlt am Wesentlichen, nämlich an der Vermittlung des Glaubens, wozu die Kirche ja eigentlich da ist“, findet sie. Die Kirche als Institution habe ihrer Ansicht nach die Grundwerte aus dem Blick verloren, sei zu sehr beschäftigt mit Vorschriften und Regeln. „Warum etwa, soll ein Priester nicht heiraten dürfen – zu Jesus Zeiten waren Priester auch verheiratet.“ Und auch, dass die Frau keine Ämter in der Kirche übernehmen darf, sei nicht zeitgemäß. „Auch weil man sagen muss, dass Frauen in der Kirche die größte Rolle spielen“ – sei doch viel mehr als die Hälfte aller Kirchenbesucher weiblich, und liege ein Großteil der ehrenamtlichen Aufgaben in den Händen von Frauen. „Ohne uns Frauen würde die Institution Kirche zusammenbrechen.“ Von all dieser Kritik – und das ist ihr sehr wichtig zu betonen – nimmt sie die Priester vor Ort aus.

Den Glauben weitergeben

Seit ihren positiven Erfahrungen vor 30 Jahren hat Maria Westermeier schon viele Wege gefunden, den Glauben weiterzutragen. So gründet und leitet sie insgesamt zehn Jahre lang den Regenbogenclub, in dem sie zusammen mit anderen Frauen mit Kindern kocht, spielt und bastelt. Westermeier ist Kommunion- und Firmmutter, einige Jahre Vorsitzende des Pfarrgemeinderats und nun, seit 2016, Vorsitzende der Zollinger Frauen St. Johannes. Alle Cursillisten finden ihren eigenen Weg, den Glauben weiterzutragen – und das ist eben meiner.“ Maria Westermeier und ihr Mann Hans, der auch das Cursillo gemacht hat, sind zudem Tageseltern, betreuen täglich fünf Kleinkinder.

Insgesamt gibt es im Landkreis Freising zirka 120 Menschen, die einen Cursillo besucht haben. Alle zwei Monate findet ein Treffen, meist in Moosburg, statt. Maria Westermeier ist mittlerweile auch Mitarbeiterin im Nach-Cursillo und damit auch Ansprechpartnerin für Interessierte. „Meine Tür steht allen offen.“

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